Ernährung von Kleinkindern – worauf kommt es an?

Stand: 08/14/2017
Säuglinge brauchen im ersten halben Lebensjahr außer Muttermilch oder einer ersatzweise industriell hergestellten Säuglingsmilch keine anderen Lebensmittel. Die Muttermilch enthält von Anfang an genug Energie und alle wichtigen Hauptnährstoffe wie Wasser, Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate sowie Vitamine und Mineralstoffe. Doch spätestens ab dem 7. Lebensmonat reicht Muttermilch alleine nicht mehr aus, um dem stets steigenden Energie- und Nährstoffbedarf nachzukommen. Das Nahrungsmittelangebot muss erweitert werden, unter anderem, um den steigenden Bedarf an Vitamin C, Eisen, Jod und Omega-3-Fettsäuren zu decken. Das noch unreife Verdauungssystem muss schrittweise an die neue, schwerer verdauliche Nahrung angepasst werden. Beginnend mit einem Mittagsbrei wird Monat für Monat eine Milchmahlzeit auf eine Breimahlzeit umgestellt.
Näheres finden Interessierte hier: Babybreie unter der Lupe


Die Lebensmittelauswahl und Mahlzeitenrhythmus im Kleinkindalter

Etwa ab dem 10. Lebensmonat ist das Baby soweit, dass es schon verschiedene, leicht verträgliche und mild gewürzte Speisen am Familientisch mitessen kann. Von sich aus zeigt es dann in der Regel auch ein großes Interesse an den Lebensmitteln, die die anderen Familienmitglieder zu sich nehmen. Diese Neugier ist eine wichtige Voraussetzung, Neues auszuprobieren. Das Kind lernt durch die Imitation seiner Vorbilder wie und was man isst. Es bildet früh schon sein Essverhalten und seine Geschmacksvorlieben aus. Die verschiedenen Lebensmittel erwecken bei ihm ganz verschiedene Sinnesempfindungen. Es nimmt nicht nur die verschiedenen Gerüche und Geschmacksrichtungen wahr, sondern spürt auch unterschiedliche Mundgefühle. Die Zutaten sollten daher keinesfalls mehr fein püriert werden. Es reicht, wenn große Stücke klein geschnitten oder mit der Gabel grob zerdrückt werden. Gläschen und Breinahrung über das Säuglingsalter hinaus sind nicht notwendig. Seinem Zahnstatus entsprechend kann das Kind die Lebensmittel schon beißen oder mit dem Kiefer zerdrücken. Es trainiert somit die Kaumuskulatur und übt das Schlucken von fester Nahrung. Vorsicht ist bei Nüssen, kleinen Beeren, Trauben oder Saaten wie Sonnenblumenkernen, Kürbiskernen usw. geboten. Es besteht die Gefahr des Verschluckens. Darüber hinaus sollten Kinder im ersten Lebensjahr keinen Honig (ausgenommen Säuglingshonig), kein rohes Getreide und keine Eier bekommen. Wegen ihres gering entwickelten Immunsystems sind rohe tierische Lebensmittel für Kleinkinder tabu.
Mit der Einführung von fester Kost am Familientisch braucht das Kleinkind dann auch mehr zu trinken, denn die Flüssigkeit aus der Brei- oder Milchmahlzeit fehlt. Zu den Mahlzeiten reichen etwa 100 ml Wasser oder Tee. Auch zwischen den Mahlzeiten sollte dem Kleinkind etwas zum Trinken angeboten werden. Nach dem Abstillen werden im ersten Lebensjahr 600 ml Gesamttrinkmenge empfohlen.

Kleinkinder haben von Beginn an ein zuverlässiges Hunger-Sättigungsgefühl und essen gemäß ihrem momentanen Bedarf. Je nach Körpergröße, Bewegungsdrang, Temperament und Wachstumsphase kann der Appetit und Nahrungsbedarf innerhalb einer Altersgruppe sehr stark variieren. Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass Kinder vorübergehend bestimmte Lebensmittel ablehnen und ihre Esslust zuweilen auch stark schwankt. Für ein gesundes Essverhalten ist es wichtig, dass die Kinder ihr angeborenes Körpergefühl beibehalten und nicht beispielsweise zum Leeressen des Tellers genötigt werden. Mit zunehmendem Alter wirken immer mehr andere Anreize auf das Essverhalten eines Kindes ein.

Weitere Informationen: Einflussfaktoren auf Essverhalten und Geschmacksbildung

Wichtig ist es, Esspausen zwischen den Mahlzeiten einzuhalten, damit Kinder bei Tisch ausreichend Hunger und Appetit mitbringen. Gegen Ende des ersten Lebensjahres sollte der Mahlzeitenrhythmus wie der eines Schulkindes strukturiert sein, bestehend aus drei Hauptmahlzeiten und zwei kleineren Zwischenmahlzeiten.
Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund (FKE) hat bereits 1990 mit der optimierten Mischkost (optiMIX®) ein wissenschaftlich begründetes Ernährungskonzept für Kinder und Jugendliche entwickelt und seither immer wieder an den neuesten Wissensstand angepasst. Die Empfehlung des FKE zur Lebensmittelauswahl für Kleinkinder entspricht den Empfehlungen für alle anderen Altersstufen von Kindern und Jugendlichen. In den drei einfachen Regeln von optimiX® spiegeln sich auch die Empfehlungen der anderen deutschen Fachorganisationen, der Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE), wieder:

Reichlich: pflanzliche Lebensmittel und Getränke
Mäßig: tierische Lebensmittel
Sparsam: fett- und zuckerreiche Lebensmittel
Anhaltswerte zu den altersgerechten Lebensmittelmengen finden Interessierte im Anhang.

Weitere Hinweise zur Lebensmittelauswahl ergänzen diese einfache Regel:
  • Getränke sind kalorienfrei oder kalorienarm, optimal sind Wasser, Mineralwasser, ungesüßte Tees.
  • Getreideprodukte sind mindestens zur Hälfte Vollkornprodukte, z.B. Vollkornbrot, Haferflocken, Vollkornnudeln.
  • Gemüse und Obst sind borzugsweise frisch oder tiefgekühlt.
  • Milch, Milchprodukte, Fleisch und Fleischerzeugnisse sind möglichst fettarm.
  • Bei Speisefetten ist Rapsöl das Standard-Öl.

Weitere konkrete Tipps lassen sich für den Alltag ableiten:
Die Kinder sollten täglich fünf Portionen Gemüse, Salat und Obst sowie vier Portionen sättigende Getreideprodukte und Kartoffeln verzehren. Drei Portionen Milch und Milchprodukte sind täglich empfehlenswert. Ein- bis zweimal in der Woche ist ein Stück hochwertiges Fleisch und mindestens einmal in der Woche Fisch zu berücksichtigen. Die Kinderhand ist der Maßstab für die Portionsgrößen. Eine Portion Gemüse oder Obst ist eine „Handvoll“ oder bei klein geschnittenem Gemüse/ Obst entsprechend zwei ineinander gelegte Hände. Eine Portion Brot entspricht einer Brotscheibe so groß wie die ausgestreckte Handfläche. Die Portion Fleisch ist etwa so groß wie der Handteller. Eine Portion Milch oder Milchprodukt entspricht einem Glas, das in die Kinderhand passt.
Besondere Kinderlebensmittel sind überflüssig. Sie sind häufig übersüßt, fettreich und oft auch stark aromatisiert. Daher sollten Kinderjoghurts, Milchschnitten und Co. nicht zur täglichen Kost gehören. Verarbeitete Lebensmittel mit Geschmacksverstärkern können das natürliche Geschmacksempfinden der Kinder stören.


Quellen und weitere Informationen


Download: FKE_Altersgemaesse_Verzehrsmengen_1-3Jahre.pdfFKE_Altersgemaesse_Verzehrsmengen_1-3Jahre.pdf



Annette.Conrad@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken