Giftige Kartoffeln?

"Giftige Kartoffeln" - diese Meldung in den Medien schreckte kürzliche Verbraucher auf. Experten warnten vor dem Verzehr vor allem von Pellkartoffeln. Verbraucher wurden verunsichert, gelten Kartoffeln doch bislang als sehr gesund.


Hintergrund der Meldung ist folgender:

Kartoffeln bilden von Natur aus giftige Stoffe zur Abwehr von Schädlingen. Es handelt sich hier um Alkaloide wie Solanin und Chaconin. Die höchsten Alkaloidgehalte sind in der Kartoffelschale zu finden, geringere Konzentrationen auch in der Knolle selbst. Ein Gesamtalkaloidgehalt von bis zu 200 mg / kg gilt bei Kartoffeln als unbedenklich (BVL 2007). Vergiftungserscheinungen können ab Konzentrationen von etwa 0,04 % Solanin auftreten. Die Symptome äußern sich circa vier bis sechs Stunden nach Verzehr. Es sind ein brennendes, kratzendes Gefühl im Hals, Kopfschmerzen, Mattigkeit und Fieber, Erbrechen, Durchfälle. In schweren Fällen ist es in der Vergangenheit zu Seh- und Hörstörungen, Benommenheit, Krämpfen bis hin zum Koma und Tod gekommen. Gefährdet sind vor allem Kleinkinder und weniger Erwachsene. (Quelle: E. Lindner: Toxikologie der Nahrungsmittel, Thieme Verlag, Stuttgart 1990)

Die heutigen Speisekartoffeln enthalten in der Regel weniger als 100 mg Solanin je Kilogramm, so dass die Gefahr einer Vergiftung auszuschließen ist. Entscheidend ist jedoch, dass die Kartoffeln nach der Ernte richtig gelagert werden, das heißt trocken, dunkel und kühl, optimal sind Temperaturen zwischen vier und sieben Grad Celsius.

Hohe Solaninkonzentrationen finden sich in den Keimen und in ergrünten Stellen der Kartoffel, vor allem in der Schale. Werden Kartoffeln längere Zeit dem Licht ausgesetzt, so steigt der Solaningehalt schnell an. Und das ist das Problem. Denn im Einzelhandel werden Kartoffeln meistens in durchsichtigen Folienpackungen oder lose bei relativ warmen Temperaturen gelagert dem hellen Neonlicht ausgesetzt.
Plusminus berichtete in der Sendung vom 16.9.2008, dass sie durch Stichproben prüfen ließen, ob giftige Kartoffeln im Handel sind. Die Hälfte der Proben hatte so hohe Solaningehalte, dass es bei einem Kleinkind möglicherweise zu Vergiftungserscheinungen gekommen wäre. Hier ist der Handel gefordert, optimale Lagerbedingungen zu schaffen.


Das kann der Verbraucher tun:
  • In den ländlichen Regionen von Rheinland-Pfalz gibt es viele Möglichkeiten, Kartoffeln direkt beim Erzeuger zu kaufen. Hier werden die Kartoffeln im allgemeinen sachgerecht gelagert.
  • Wer keine guten Lagermöglichkeiten für Kartoffeln zu Hause hat, sollte nur kleine Mengen einkaufen und rasch verbrauchen. Aber auch dann sollten die Kartoffeln dunkel, z.B. in einer Papiertüte oder in einem Karton und möglichst kühl aufbewahrt werden.
  • Grüne Stellen an der Kartoffelknolle sollten großzügig entfernt werden.
  • Pellkartoffeln sind weiterhin zu empfehlen. Die Schale sollte jedoch nicht mit verzehrt werden. Vitamine und Mineralstoffe sind nicht in der Schale, sondern in den Geweben unter der Schale.
  • Auch das Kartoffelkochwasser sollte nicht weiter zum Kochen verwendet werden.


Informationen zu Kartoffeln:
Tolle Knollen für Genießer


Quelle





     drucken