Reisanbau und unser Klima

Stand: 07/24/2012
Die Hauptanbauländer von Reis sind China, Indien, Indonesien und Japan. Daneben wird in den USA und in Europa (Italien, Frankreich, Spanien) Reis angebaut.

Weltweit werden jährlich etwa 600 Millionen Tonnen Reis produziert und davon 92 Prozent für die menschliche Ernährung genutzt. Nur geringe Mengen werden in der Tierfütterung, in der Industrie und als Saatgut verwendet.
Reis dient der Hälfte der Weltbevölkerung als Grundnahrungsmittel. In vielen asiatischen Sprachen sind die Worte für Reis und für Essen identisch - ein Zeichen dafür, welche hohe Bedeutung diese Pflanze für die Ernährung auf dem asiatischen Kontinent hat. Der Reiskonsum liegt dort bei 150 kg pro Jahr und Person, in den USA bei 11 kg und in Deutschland knapp über 3 kg.


Anbauverfahren

Reis gehört botanisch gesehen zu den Getreidearten. Die Pflanzen brauchen zum Gedeihen die Wärme und Feuchtigkeit des subtropischen Klimas, die meisten Sorten wachsen in sumpfigem Boden. Man unterscheidet zwischen dem Nassreis beziehungsweise Tiefwasserreis und dem Trocken- oder Bergreis. Letzterer wird vor allem in Regionen mit wenig Regen oder in höheren Gebirgslagen angebaut.
Mehr als 80 Prozent der Reisernte weltweit werden jedoch durch den Nassreisanbau erwirtschaftet, in den meisten Ländern noch von Hand auf den typischen Reisterrassen. Dabei werden zunächst die Felder mit Hilfe einfacher, oft von einem Wasserbüffel gezogenen Pflügen zur Pflanzung vorbereitet. Die in Saatbeeten vorgezogenen Sämlinge werden nach 30 bis 50 Tagen in die Felder gepflanzt, die durch Regen oder Flusswasser unter Wasser gesetzt worden sind. Drei bis fünf Monate stehen die Pflanzen ununterbrochen im Wasser. Je nach Region, Kulturtechnik und Reissorte „kostet“ dies rund 3.000 bis 10.000 Liter Wasser pro Kilogramm Reis. Erst kurz vor der Ernte lässt man das Wasser ablaufen. Nach der Ernte erfolgt eine Trockenperiode, in der die Felder abgebrannt, umgepflügt und von Unkraut befreit werden.

In Europa ist Italien (Po-Ebene) der größte Reisproduzent. Die Zeiten des berühmten Kinofilms „Bitterer Reis“, als mehr als 260 000 Norditalienerinnen aus Mangel an anderer Arbeit in die Reisplantagen zogen, sind jedoch vorbei. Die Arbeiten werden von der Aussaat (mit eingeweichtem Saatgut) bis zur Ernte maschinell erledigt, die Reisfelder künstlich bewässert.
In den USA (größter Produzent ist Arkansas) beeindruckt der Reisanbau durch seine riesigen Dimensionen und seine Technik. Die Aussaat erfolgt per Flugzeug, die Ernte mit Mähdreschern, wobei die Reispflanze nicht mit dem Halm gemäht, sondern nur die Rispen abgeschnitten werden.

Vor allem durch Züchtung und natürliche Selektion hat sich die Reispflanze an die Überflutung der Felder angepasst. Der Nassreisanbau ist eine effektive Anbaumethode für Reis, immerhin erzielt man drei Ernten pro Jahr. Viele Unkräuter und bodenlebende Schädlinge werden durch die Flutung am Wachstum gehindert, was der hauptsächliche Grund für den Wassereinsatz beim Reisanbau ist.


Folgen fürs Klima: Methanausstoß

Die hohe Reisproduktion ist nicht nur ein Segen für die Welternährung, sondern stellt auch eine Gefahr dar. Der Nassreisanbau hat nämlich einen großen Nachteil für das Weltklima. Der Reisanbau ist nach Schätzungen des Weltklimarats (IPCC) einer der Hauptgründe für steigende Emissionen von Methan.

Methan (CH4) ist ein Treibhausgas, das sowohl aus natürlichen (z.B. Sümpfe, Termiten, Wälder) als auch anthropogenen Quellen (z.B. Reisfelder, Tierhaltung, Mülldeponien, Erdgasgewinnung und -transport) stammt. Das Gas entsteht in der Regel bei Fäulnisprozessen unter anaeroben Bedingungen (d.h. unter Luftabschluss) mit Beteiligung von Mikroorganismen.
Im Reisfeld befinden sich Methan erzeugende Bakterien in der Schlammschicht unter dem Wasser und ernähren sich von abgestorbenen Pflanzen oder toten Kleintieren. Optimale Bedingungen sind für diese Archaebakterien dann vorhanden, wenn die Reisfelder lange Zeit überflutet waren. Denn dann nähert sich der Sauerstoffgehalt im Boden der Nullmarke.

Wie gelangt das Methan aus dem Schlamm der Reisfelder in die Atmosphäre?
In Freilandversuchen in der Po-Ebene haben Forscher vom Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie ermittelt, dass rund 90 Prozent des von den Archaebakterien erzeugten Treibhausgases über ein spezielles, gasleitendes Gewebe in den Wurzeln und im Stängel – das Aerenchym - aus dem Schlamm in die Atmosphäre gelangt. Im Wasser aufsteigende Methangasblasen und die Diffusion aus dem Boden bis an die Wasseroberfläche spielen dagegen nur eine geringe oder keine Rolle. Die Mikrobiologen sprechen deshalb im Zusammenhang mit der Reishalmen auch von „Schornsteinen für Methan“.

Methan ist als Treibhausgas 21-mal wirkungsvoller als Kohlendioxid. Es gelangt in die Atmosphäre und trägt so zur globalen Erderwärmung bei.
Wie viel des Treibhausgases genau in die Atmosphäre gelangt, ist kaum zu messen. Forscher gehen aber davon aus, dass rund 100 Millionen Tonnen Methan auf das Konto von Nassreis gehen, wobei China und Indien die Hauptverursacher sind. Dies entspricht etwa ein Fünftel aller Methanemissionen weltweit.


Anbaualternativen

Im Kampf gegen den Klimawandel überlegen Forscher, die Produktionsweise von Reis zu verändern. Das Internationale Reisforschungsinstitut auf den Philippinen stellt fest: „Wenn asiatische Länder die Produktion von Treibhausgasen reduzieren wollen, müssen sie auf die Reisproduktion schauen." Der Methanausstoß durch die Nassreisfelder könnte reduziert werden durch Anwendung anderer Anbaumethoden, wie z. B. den Trockenreisanbau.
Beim Trockenreisanbau wird eine Unterart des heutigen Reises genutzt, der nicht an Überflutung angepasst ist. Allerdings benötigen diese Reissorten eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nachteil: Ohne Wasser können Unkräuter ungehemmt wachsen, so dass die Ernte stark geschmälert wird. Trockenreis wird in der Regel ausgesät. Bei diesem so genannten Streusaatverfahren ist der Methanausstoß sehr gering, aber durch die geringeren Erträge stellt der Trockenreisanbau bislang noch keine überzeugende Alternative zum Nassreisanbau dar.

Weitere Versuche zur Reduzierung der Methanerzeugung sind ein Anbau in höheren Lagen, in denen weniger bewässert werden muss sowie ein Verzicht auf das Verrotten der Spelzen und die unkontrollierte Verbrennung des Reisstrohs aus der letzten Ernte auf den Nassreisfeldern.

Ein weiterer Ansatz ist ein verbessertes Wassermanagement mit geringeren Stauhöhen oder zeitweiser Trockenlegung. Teilweise ist auch ein wechselnder Anbau von Nass- und Trockenreis möglich. Dadurch soll der Ausstoß von Methan reduziert werden, ohne die Ernteerträge zu gefährden. Während der Drainage wird der Schlamm gut belüftet. Das Trockenlegen hat noch einen weiteren Nebeneffekt: die Entwässerung beschleunigt nicht nur das Wachsturm der Reiswurzeln, es werden auch große Mengen an Stickstoffdünger aus zersetzten organischen Resten freigesetzt, die das Pflanzenwachstum beschleunigen und die Erträge steigern.


Dies sind kleine Schritte, die durchaus Erfolg haben können. Doch noch hat die Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung Vorrang.
Auch müsste es finanzielle Anreize für Kleinbauern geben, damit sie sich auf Veränderungen einlassen und ihre traditionelle Anbauweise umstellen. Benötigt werden Reissorten und Anbaumethoden, die ausreichende Erträge liefern, dabei aber Umwelt und Klima möglichst wenig schädigen.


Quellen und weiterführende Informationen





Hildegard.Schlessmann-Fister@dlr.rlp.de      drucken