Ungesunde Ernährung??


Frage:
Wurde heute beschuldigt die Gesundheit meines Sohnes aufs Spiel zu setzen und würde gerne wissen ob dies zurecht geschah!
a) mein Sohn wird in Kürze 3 Jahre alt und darf schon Süßigkeiten essen. Dazu hab ich mir sagen lassen müssen, daß das ungesund für ihn ist und daß überhaupt alle Produkte, die in den Zutaten ein E... haben nicht gegessen werden dürfen.
b) ich benutze auch Fertigprodukte, wie z.b. Kartoffelpüree, Knödel und Fix-Einbrenn. Damit gefährde ich angeblich auch die Gesundheit meines Sohnes. Nur selbst gekochtes und zubereitetes ist angeblich gesund.
Entspricht das alles wirklich der Wahrheit, ernähre ich meinen Sohn ungesund oder ist das alles übertrieben. Wäre sehr dankbar für eine Antwort, zumal ich mir jetzt etwas unsicher bin.
Danke.

Antwort:
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

ob Sie Ihren Sohn gesund oder ungesund ernähren, kann ich auf Basis Ihrer Informationen nicht sagen. Zu einer "gesunden Ernährung" können durchaus Süßigkeiten oder Fertigprodukte gehören.
Eine gute Hilfestellung zur vollwertigen Gestaltung der Ernährung bieten der
Ernährungskreis und die 10 Regeln der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) sowie die Ernährungspyramide des AID. Direkt für Kinder empfiehlt des Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund die sog. optimierte Mischkost (optimix).
Weitere Informationen finden Sie z.B. auf den Seiten

des Deutschen Ernährungsberatungs- und Informationsnetzes
des aid
der Universität Gießen.

Süßigkeiten müssen nicht verboten oder aus dem Leben von Kindern ausgeschlossen werden. Wichtig ist, dass sie "genascht" und nicht im Übermaß und laufend zwischendurch verzehrt werden, also z.B. ein Stück Schokolade nach dem Mittagessen. Kinder müssen nach und nach lernen mit Süßem umzugehen. Wenn Sie feststellen, dass z.B. die Nachbarn oder Großeltern Ihrem Kind zu viel / zu oft Süßes schenken, dann versuchen Sie diese zu überzeugen, dass sie Ihrem Kind z.B. eine Mandarine oder ähnliches mitbringen. Kinder freuen sich oft genauso über Obst oder eine andere Kleinigkeit.

Die Aussage, dass Sie durch Fertigprodukte die Gesundheit Ihres Kindes gefährden, ist m. E. nicht richtig und muss differenzierter betrachtet werden. Es kommt immer auf die Art und den Anteil der Fertigprodukte sowie die Gestaltung der Ernährung insgesamt an. Versuchen Sie darauf zu achten, dass die natürlichen Lebensmittel die Basis Ihrer Ernährung und der Ihres Kindes darstellen. Legen Sie Wert auf einen überwiegenden Anteil an ursprünglichen Lebensmitteln, wie z.B. Gemüse, Obst, Kartoffeln, Getreide und Brot, Fisch, Fleisch etc. Dann ist ein gewisser Anteil an verarbeiteten Lebensmitteln aus ernährungsphysiologischer Sicht kein Problem.

Beispiel: Sie machen Kartoffelknödel aus Pulver, weil Sie damit viel Zeit sparen und die Klöße gelingen. Dazu gibt es einen frischen Blattsalat und selbst zubereiteten Gulasch. Die Salatmarinade und die Soße zum Gulasch wird von Ihnen auf herkömmliche Weise zubereitet.


Zur Erläuterung:

Fertigprodukte - oder besser vorgefertigte Produkte - können nicht einheitlich bewertet werden. Sie unterscheiden sich nach der Art der Haltbarmachung:
  • Tiefkühlprodukte (TK-Produkte)
  • gekühlte Produkte
  • Trockenprodukte
  • sterilisierte oder pasteurisierte Produkte
  • auf sonstige Art haltbar gemachte Produkte
oder nach ihrem Verarbeitungsgrad:


Fertigprodukte haben Vorteile: Sie weisen in der Regel eine gleichbleibende, standardisierte und kalkulierbare Qualität auf hinsichtlich Nährwert, Sensorik und Zubereitung. Bei sachgemäßer Zubereitung nach Anweisung ist ein Gelingen garantiert. Die Zubereitung ist einfach und bietet Zeitersparnis.

Mit der Verarbeitung eines Lebensmittels werden jedoch auch Geschmack, Farbe, Aussehen oder Konsistenz beeinflusst.

Kinder lernen nicht mehr, wie Lebensmittel von Natur aus schmecken. Farbstoffe, Aromastoffe, Geschmacksverstärker u.a. werden oft eingesetzt, um diese Verluste auszugleichen. Verarbeitete Lebensmittel benötigen oft aus technologischen und sensorischen Gründen verschiedene Zusatzstoffe. Bestimmte Zusatzstoffe können bei empfindlichen Menschen zu Unverträglichkeiten führen.

Je höher der Verarbeitungsgrad eines Lebensmittels ist, umso mehr Nährstoffe können grundsätzlich verloren gehen. Beispielsweise können wärmeempfindliche Nährstoffe (viele Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe) durch Pasteurisieren, Sterilisieren oder längere Lagerung deutlich reduziert werden, bei Getreideverarbeitungsprodukten gehen oft Mineralstoffe, Vitamine oder Ballaststoffe verloren.

Umgekehrt kann Tiefkühlgemüse unter ernährungsphysiologischen Aspekten besser abschneiden als Frischware, wenn diese zu lange und / oder unter ungünstigen Bedingungen gelagert wurde.

Der zum Teil hohe Gehalt an Zucker, Salz oder Fett ist bei Fertiggerichten oft nicht direkt ersichtlich. Ein Blick in die Zutatenliste kann Klarheit bringen. Bei eigener Zubereitung entscheiden Sie selbst, wie stark Sie ein Gericht beispielsweise süßen oder salzen.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. gez. Irmgard Lütticken





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