Stauden aussäen – auch eine Möglichkeit der Vermehrung:

Unter Stauden versteht man krautartige Pflanzen, die mehrere Jahre ausdauern und deren oberirdische Teile meist im Herbst absterben, während der Wurzelstock überwintert. Üblicherweise vermehrt man Stauden, indem man den Wurzelstock teilt. Etwas ungewöhnlicher ist die Vermehrung durch Samen. Dabei gibt es eine Reihe von Stauden, die sich sehr gern selbst aussäen, wenn man nicht zu ordentlich die Blütenstände noch vor der Samenbildung abschneidet. So „wandert“ die Goldrute oder die Scharfgabe durch den Garten und auch der Frauenmantel breitet sich durch Selbstaussaat gern aus. Wer bereits über Erfahrung mit dem Aussäen von ein- und zweijährigen Pflanzen verfügt, dem wird diese Methode der Jungpflanzengewinnung sicher leicht fallen!

Wann lohnt sich die Anzucht von Stauden aus Samen?

Hier kommt es ganz klar auf die benötigte Pflanzenmenge an: Je mehr ich von einer Sorte brauche, desto sinnvoller ist eine Aussaat. Da die großen Prachtstauden wie Pfingstrose, Rittersporn, Sonnenhut, Geißbart oder Eisenhut als Solitärstauden in Einzelstellung am Besten wirken, wird man die wenigen Exemplare zukaufen oder durch teilen des Wurzelstockes gewinnen. Mittelhohe oder hohe, aber eher unauffällige Stauden (z.B. Lupinen, Phlox, Astern) wirken in kleinen Gruppen von 3-5 Stück am Besten. Sollen auf einem großen Beet mehrere dieser Gruppen gepflanzt werden, so kann man schon über einen Aussaat nachdenken, zumal ein Tütchen Samen für ca. 1 - 2 € zu haben ist und je nach Art 30, 50 oder auch weit mehr als 100 Samenkörner enthalten kann. Kleine Stauden werden in großen Gruppen oder teppichartig gepflanzt. Bei einer Gartenneuanlage ist hier der Bedarf entsprechend groß und der Aufwand für die Anzucht ist in diesem Fall folglich am lohnendsten!

Wann wird ausgesät?

Der Aussaatzeitpunkt hängt von der jeweiligen Staudenart ab. Grundsätzlich ist eine gute Aussaatzeit direkt nach der natürlichen Samenreife, wenn sich die Pflanze auch selbst aussäen würde. Vielfach ist aber auch eine Aussaat im Frühjahr möglich. Eine Gruppe, die während der Spätherbst und Wintermonate ausgesät werden können, sind die Kaltkeimer, früher auch Frostkeimer genannt. Dies sind Pflanzen, die zum Keimen Temperaturen um den Gefrierpunkt brauchen. Kaltkeimer können ab Oktober ausgesät werden, jedoch auch noch im Dezember. Dabei geht man wie folgt vor: Die Aussaat erfolgt in Kisten, die 3-4 Wochen bei 15°-18° im Haus aufgestellt werden. Dann stellt man sie für ca. eine Woche kühler (ca. 10°). An einem frostfreien (wichtig!) Januartag bringt man die Aussaatkisten an einen geschützten Platz nach draußen. Es ist ratsam, sie mit einer Abdeckung aus Maschendraht gegen Vogelfraß zu schützen. Die Kaltkeimer brauchen etwa 4-8 Wochen Kältereiz (Temperaturen unter 5°C) zum keimen! Hierzu zählen: Adonisröschen, Akelei, Alpendistel, Anemonenarten, Arnika, Asternarten (A. alpinus, novi-angliae, -belgiae), Astilbe, Bergenie, Bitterwurz, Blaudistel, Buschwindröschen, Christophskraut, Christrose, Diptam, Edeldistel, Eisenhut, Enzian, Frauenmantel, Glockenblume, Herbstzeitlose, Himmelschlüssel, Iris, Kuhschelle, Lampionblume, Lilien, Lungenkraut, Mohn, Nieswurz, Pfingstrose, Phlox (grossblumig), alpine Primeln (P. veris, elatior), viele Rosengewächse, Roter Sonnenhut, Silberdistel, Silberkerze, Scheinmohn (blau), Schleifenblume, Schlüsselblumen, Steinbrech, Steppenkerze, Tränendes Herz, Trollblume, Veilchen, Wolfsmilch, Zierlauch.

Wie wird gesät und weiter kultiviert?

Obwohl grundsätzlich auch die direkte Aussaat ins Beet möglich ist, hat es sich in der Praxis bewährt, Stauden unter kontrollierten Bedingungen auf steriler Aussaaterde aus zu säen. Dazu eignen sich Aussaatschalen, die man am besten ins Gewächshaus oder ins Frühbeet stellt. Große Samen kann man auch gleich in einzelne kleine Töpfe säen, um sich dann das pikieren zu ersparen. Sehr feines Saatgut dagegen mischt man am Besten mit feinkörnigem Sand, damit nicht zu dicht gesät wird. Nach dem Säen wird vorsichtig mit einem Zerstäuber angefeuchtet, denn ein schärfere Wasserstrahl lässt das Saatgut sehr schnell wegschwemmen! Wichtig ist, dass die Erde gleichmäßig feucht bleibt, also nie austrocknet aber auch nicht vernässt. Dies lässt sich unter Glas oder Folie wesentlich besser steuern als im Freiland und die Anzucht ist somit erfolgreicher.
In der Regel werden die Samen beim Säen mit wenig Erde (maximal samendick) abgedeckt. Ausnahmen sind die Licht- und Dunkelkeimer. Lichtkeimer werden nicht mit Erde bedeckt. Der Erdschluß wird lediglich durch andrücken (z.B. mit einem flach aufliegenden Brettchen) hergestellt. Die meisten alpinen Stauden wie z.B. das Seifenkraut (Saponaria ocymoides) zählen zu den Lichtkeimern. Ebenso die Mehrzahl der Stauden, die sehr feine Samen haben, so z.B. die Königskerzen, Fingerhüte, Mauerpfeffer, Goldruten, Bergsteinkraut, Weidenröschen, Blutweiderich usw. Werden Lichtkeimer zu tief gesät bzw. die Saatschalen an einen zu dunklen Ort gestellt, sinkt die Keimrate meist sehr drastisch und die Keimung dauert wesentlich länger. Allerdings sollten sie auch nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt werden, denn dies würde schnell zu Verbrennungen und schlimmstenfalls zum Totalverlust des Keimlings führen. Dunkelkeimer dagegen werden 2 -3x samendick mit Erde bedeckt. Teilweise muss bei dieser Gruppe mit einer langen Keimphase gerechnet werden. Die Aussaatgefäße sollten daher nicht zu schnell entleert werden, denn meist stellt sich der Erfolg doch noch ein! Lupine, Stockrose, Staudenwicke (Lathyrus latifolius) und Mauritanische Malve (Malva sylvestris subsp. Mauritiana) sind einige Vertreter dieser Gruppe. Hinweise darauf, ob es sich um Licht- oder Dunkelkeimer handelt, finden Sie auf den Samentüten.
Die Keimdauer ist je nach Staude sehr unterschiedlich. Manche keimen bereits innerhalb 14 Tagen, andere brauchen mehrere Wochen und einige Arten keimen erst nach 1 Jahr!
Sobald sich die Keimblätter voll entwickelt haben und die ersten Folgeblätter entfaltet sind, ist es Zeit zum pikieren. Die Sämlinge werden dann in kleine Töpfchen oder Multiplatten in nährstoffarme Anzuchterde gepflanzt. Sobald sich dann kräftige kleine Stauden entwickelt haben, pflanzt man sie an ihren endgültigen Standort im Garten. Dabei sind die Standortansprüche der jeweiligen Pflanze zu berücksichtigen, damit sie gut gedeiht!

Frauenmantel sät sich gern selbst aus!
Nur wenn man viele Stauden der gleichen Art braucht lohnt die Aussaat!
© DLR
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