Muskatellersalbei (Salvia sclarea) – Zier-, Heil-, Duft- und Nützlingspflanze:

Wer im Juni und Juli Blumenbeete bewunderte, dem ist sicher schon einmal eine imposante Pflanze darin aufgefallen: etwa 1m hoch, mit weißen oder hellviolettfarbenen Lippenblüten, die in Ähren stehen und großen, graugrünen, runzeligen, breit eiförmigen Blättern. Wer näher kommt, bemerkt den typischen Duft der Pflanze, den manche schätzen und andere für aufdringlich halten. Er gab dieser Salbeiart einige seiner deutschen Namen: Muskateller-Salbei, Muskat-Salbei, Stinksalbei. Weitere Namen sind Scharlei und Römischer Salbei.

Es handelt sich um eine Gartenpflanze mit langer Tradition: Bereits seit dem Altertum findet der Muskatellersalbei Anwendung als Heilkraut und wird in Gärten kultiviert: In der Landgüterverordnung von Karl dem Großen ist der Muskatellersalbei unter der Nummer 73 mit der Bezeichnung sclareiam zu finden und Hildegard von Bingen empfahl ihn gegen Vergiftungen "Der Muskatellersalbei ist warm, und er ist gut gegen Gift" sowie bei schwachem Magen: "Und wessen Magen so schwach ist, dass er von Speisen leicht eitrig ist, der nehme Muskateller-Salbei und zu deren dritten Teil Polei und von Fenchel soviel wie der dritte Teil der Polei, und dies koche er gleichzeitig in gutem Wein, unter Beigabe von etwas Honig, und er seihe es durch ein Tuch, und trinke es oft nach dem Essen und gegen Nacht; sein Magen wird angenehm geheilt oder gereinigt werden".
Auch zahlreiche Nützlinge schätzen diese Pflanze, so dass sie eine Bereicherung für jeden Naturgarten ist.
Entgegen dem ersten Eindruck handelt es sich nicht um eine Staude sondern um eine zweijährige Pflanze. Im Jahr nach der Aussaat bildet sich nur eine Blattrossette, im Jahr danach erfolgt Blüte und Samenbildung. Sie sät sich sehr gut aus. Dadurch ist der Muskatellersalbei schnell im Garten etabliert und man hat viele Jahre Freude an seiner Blüte, denn es sind ständig Pflanzen im ersten und zweiten Standjahr vorhanden. Falls sie also bei einem Gartenbesitzer diesen Salbei entdeckt haben, bitten Sie ihn doch einfach um etwas Samen oder eines der Jungpflänzchen. Sie erhalten eine echte Bereicherung für ihr Stauden- oder Kräuterbeet!

Kurzportrait: Muskatellersalbei - Salvia sclarea
Herkunft: Südwest- und Mitteleuropa, Zentralasien
Standortansprüche: sonnig, warm, nahrhafte, durchlässige, kalkhaltige Böden
Wuchsform: zweijährig, Höhe 60 - 120 cm
Aussaat und Kultur: Juli bis September (gute Selbstaussaat!)
Verwendung: Blätter für Tee, zum Würzen von Salaten, zum aromatisieren von Likören. (Früher auch für Muskatellerwein), in der Naturheilkunde (wärmend, krampflösend, nervenberuhigend)
Naturgarten: Nützlingsweide
Ernte: Blätter im Frühling und Sommer des zweiten Jahres



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