Bienen starten in die neue Saison und liefern verschiedene Honigsorten

Stand: 05/04/2021
Zum Start ins neue Bienenjahr fragte unser Redaktionsteam bei Frau Dr. Saskia Wöhl, Laborleiterin beim Fachzentrum für Bienen und Imkerei (FBI) am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Westerwald-Osteifel, nach.


Wie haben die Bienenvölker den Winter überstanden?

Honigbienen verbringen den Winter in einer Art Winterruhe, aber nicht in einem Winterschlaf. Das reduzierte Volk von ca. 10.000 bis 20.000 Bienen (im Sommer mindestens 40.000) bilden die sogenannte Wintertraube. Die Königin sitzt in der Mitte der Traube. Ab 14° C und kälter heizen die Bienen durch ständige Bewegung bzw. „Muskelzittern“ den Stock bis auf 25-30° C auf. Neben der Schaffung einer angenehmen Temperatur ist in der kalten Jahreszeit ihre Hauptaufgabe die Fütterung der Königin.
Im März fliegen die Bienen ab Temperaturen von 12°C aus, wobei die ersten Aktivitäten Reinigungsflüge sind, um die Kotblase zu leeren und Wasser in den Stock zu bringen. Außerdem werden die Zellen geputzt und tote Bienen entsorgt – also ein richtiger „Frühjahrsputz“. Die Witterungsverhältnisse in diesem Winter waren zunächst nicht schlecht für das Überwintern der Insekten. Aber im März diesen Jahres gab es zwei sehr warme Wochen, in denen die Bienen ausgeflogen sind. Der in dieser Zeit gesammelte Nektar wurde in den folgenden sehr kalten Wochen wieder aufgezehrt. Die begonnene Bruttätigkeit wurde meist wieder aufgegeben. Die Obst- und Rapsblüte, im Frühjahr für die Bienen der Hauptnektareintrag, startete in den kalten Tagen der letzten Wochen. Während für die Rapsblüte auch die Windbestäubung eine wichtige Rolle spielt, ist die Bestäubung für Obstbäume durch Insekten essenziell. Bleibt es weiterhin kalt, wird es wohl vielerorts nur wenig oder gar kein Obst in diesem Jahr geben.


Sind Klimaveränderungen auch bei der Bienenhaltung ein Thema?

Milde Winter sind grundsätzlich kein Vorteil für Bienenvölker. Sie beginnen mit Ausflügen, bevor es überhaupt etwas zu sammeln gibt. Das verbraucht kostbare Energie der „alten“ Bienen und fehlt dann für die Aufzucht der neuen Brut. Veränderte Temperaturverläufe können die Abstimmung zwischen Entwicklungstand des Bienenvolkes und den Blühphasen von Pflanzen durcheinander bringen. Auch lange Trockenperioden während des Frühjahrs bedeuten weniger Nektarproduktion durch die Pflanzen.


Wie kann man Bienen helfen? Wie sieht ein bienenfreundlicher Garten aus?

Eine gute Bienenweide zeichnet sich durch Pflanzen aus, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen und viel Nektar und Pollen für die Eiweißversorgung der Bienen bilden.
Im eigenen Garten kann man den fleißigen Bienen ein reichhaltiges Angebot bieten, aber auch für die bienenfreundliche Balkonbepflanzung ist etwas dabei. Die so genannten „Schottergärten" sind Negativbeispiele.

Die ersten geeigneten Blühpflanzen in größerer Zahl bringt der Monat April hervor.
Dazu gehören beispielsweise Gänseblümchen, Goldnessel, Gundermann, Löwenzahn, Immergrüne Schleifenblume, Kleine Traubenhyazinthe, Osterglocke, Polster-Flammenblume und Waldmeister.
Hinweis: Der erste Rasenschnitt sollte erst nach Verblühen dieser frühen Nahrungslieferanten erfolgen.
Zu den frühblühenden Bäumen und Sträuchern gehören Apfel, Birne, Kirsche, Gewöhnliche Hainbuche, Flieder, Kornelkirsche, Schlehe, Spitzahorn, Stieleiche, Weide, Weißbirke.
Im Frühsommer sind es vor allem Eberesche, Edelkastanie, Gelber Lein, Klee, Knoblauchsrauke, Lupine, Männertreu, Raps, Senfarten, Robinie, Rosskastanie, Salbei, Schafgarbe, Sommerlinde, Weißdorn und viele mehr, die den Tisch für die Bienen reichlich decken.
Im Hochsommer und Herbst blühen Boretsch, Dahlie, Edelkastanie, Giersch (bis Ende August), Glockenblume, Knöterich, Lavendel, Oregano, Ringelblume, Sonnenblume, Sonnenhut, Weiß- und Rotklee, Wegwarte, Weidenröschen.
Besonders soll noch der Efeu erwähnt werden. Die unscheinbaren gelblich-grünen Blüten entwickelt die Pflanze erst nach 8 bis 10 Jahren. Sie bieten von Mitte August bis in die erste Hälfte des Oktobers hinein reichlich Nektar und zusätzlich noch ein reiches Pollenangebot.

Bienen- und Schmetterlingsweidenmischungen als Saatgut können mittlerweile in vielen Gartenmärkten erworben werden oder bei Naturschutzverbänden als Regio-Saatgut.


Welche Honigsorten haben wir in Rheinland-Pfalz?

Honige aus Rheinland-Pfalz haben durch die verschiedenen Landschaftstypen unterschiedliche Nektarherkünfte, wodurch das Potenzial Sortenhonige zu ernten und zu deklarieren, gegeben ist. Durch Pollenanalysen und Bestimmen der Zuckerzusammensetzung und sensorischen Merkmale können die geographische Herkunft und die Haupt-Pflanzenart bestimmt werden. Derzeit wird ein Blühphasen-Monitoring aufgebaut, das Informationen über einzelne Trachtpflanzen und deren Blühphasen sammelt und aufbereitet.
In Rheinland-Pfalz werden je nach Region und Jahreszeit sehr unterschiedliche Honige gewonnen. Einige rheinland-pfälzische Honigspezialitäten sind:

  • Edelkastanienhonig ist meist rötlich bis dunkelbraun und flüssig, riecht intensiv würzig mit einer markanten Geruchs- und Geschmacksnote in Richtung herb, kräftig bis bitter, bleibt lange flüssig.
  • Lindenhonig ist hellgelb, intensiv aromatisch mit mentholartigem Geruch, kristalliner Konsistenz.
  • Löwenzahnhonig ist goldgelb, riecht von intensiv aromatisch bis scharf mit intensivem blumigen Aroma. Er kristallisiert schnell aus.
  • Obstblütenhonige sind hellbeige bis gelblichbeige, dezent aromatisch mit fruchtigem Geschmack und von kristalliner Konsistenz.
  • Rapshonig ist hellbeige bis fast weiß, kristallisiert besonders schnell aus, der Geruch erinnert an Kohl, schmeckt aromatisch und blumig.
  • Robinienhonig oder „Akazienhonig“ ist klarflüssig und hat einen blumigen, mild-süßen Geschmack, bleibt lange flüssig.
  • Waldhonig ist dunkel-flüssig oder tiefbraun kandiert, mit malzig-würzigem Geschmack, aber eher wenig süß, bleibt lange flüssig.
Selten gewonnene Sorten in Rheinland-Pfalz sind außerdem Lavendelblüten- und Phaceliahonig.

© Pixabay
Mit Sortenbezeichnungen darf dann deklariert werden, wenn der überwiegende Anteil des Nektars von der deklarierten Pflanze stammt.
Im Kommentar zur Honigverordnung wird der Begriff „überwiegend“ mit „mindestens 60 %“ Nektar oder Honigtauanteil definiert.


Wir danken Frau Dr. Saskia Wöhl für die aktuellen und interessanten Informationen.


Quellen
weiterführende Informationen


Brigitta.Poppe-Reiners@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken nach oben  zurück