Jetzt ist gut Kirschen essen

Im Sommer kann man wieder bewundern, wie sich die Äste der Kirschbäume mit den langstieligen, kugeligen Früchten füllen. Die Zeit der Kirschen ist da! Und wer kann bei deren Anblick schon widerstehen? Auf einem Mäuerchen in der Sonne sitzen, eine Tüte Kirschen in der Hand und dann die Kerne in die Gegend spucken, das ist Glück!

Kirschen sind ein kulinarischer Höhepunkt der Sommersaison.

Von den Römern

Einst kannte man nur die saure, kleine Wildkirsche. Das änderte sich, als der römische Feldherr und Feinschmecker Lukullus von einem seiner Feldzüge im Jahre 74 v.Chr. den ersten Kirschbaum aus einer kleinen Hafenstadt am Schwarzen Meer nach Rom mitbrachte. Aus dem Reisesouvenir des Gourmets Lukullus wurde dann die "Frucht aus Kerasus", die Kirsche. Begeistert von dem Aroma der kleinen Früchte forcierten Kaiser und Könige, später vor allem Karl der Große, den Kirschen-Anbau überall in Europa. Und im Laufe der Zeit entstand durch Züchtung eine Vielzahl edler Sorten, heute rund 500 weltweit.

Deutschland ist inzwischen einer der bedeutendsten Kirschen-Produzenten, Rheinland-Pfalz ist „Kirschenland“. Direkt eingekauft beim hiesigen Obstbauern – frischer geht’s nicht! Verschiedene Kirschsorten blühen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Frühblüher sind meist auch früher reif. Kirschen werden daher je nach Sorte in sieben sogenannten Kirschwochen geerntet. Diese sind: 1. Kirschwoche 24.5.– 6.6., 2. Kirschwoche 8.6.–18.6., 3. Kirschwoche 20.6.–30.6., 4. Kirschwoche 2.7.–12.7., 5. Kirschwoche 14.7.–24.7., 6. Kirschwoche 26.7.–8.8., 7. Kirschwoche 10.8.–20.8..


Süß oder Sauer

Kirschen zählen zu der Familie der Rosengewächse und zum Steinobst. Man unterscheidet zwischen Süß- und Sauerkirschen.

Vor allem die festen, großfruchtigen, dunkelroten Süßkirschen (lat. Prunus avium) liegen bei Verbrauchern im Trend. Sie reifen ab Anfang Juni. Man kann wählen zwischen weichfleischigen Herzkirschen und festfleischigen Knorpelkirschen, dunkle Arten mit rotem, färbenden Saft und gelbe oder bunte mit hellem, nicht färbenden Saft. Die „Herzkirschen“ haben ein weiches und saftiges Fruchtfleisch und die „Knorpelkirschen“ sind fest und aromatisch. Besonders die knackigen und großen Kirschen sind ein Genuss für jeden Gaumen. Entsteinte Süßkirschen können hervorragend als Konfitüre eingemacht werden.
Obstbauern hätscheln die empfindlichen Süßkirschen geradezu: Regenschauer bringen die voller Saft stehenden Früchte je nach Sorte mehr oder weniger schnell zum Aufplatzen. Zum Schutz davor werden riesige Schirme über die Anlagen gespannt - viel Aufwand, aber damit ist bestens Kirschen essen!

Sauerkirschen (lat. Prunus cerasus) reifen dagegen erst später, ab Mitte bis Ende Juli. Wegen ihrer hohen Erträge und ihrer guten Qualität ist die dunkelrote, sehr saftige Schattenmorelle am meisten verbreitet. Mit ihr ist eine alte Sorte auf dem Gipfel ihrer Karriere: Sie wird bereits in Schriften aus dem Jahr 1650 erwähnt. Die echten Sauerkirschen (Weichseln und Amarellen) gibt es in vielen Farbabstufungen. Sie sind wie ihre süßen Verwandten Sonnenanbeter. Sauerkirschen enthalten fast die gleiche Menge an Fruchtzucker wie Süßkirschen, aber viel mehr Fruchtsäure. Deshalb sind sie weniger zum Frischverzehr geeignet. Sie sind dagegen ideal für die Zubereitung von Konfitüren, Kompotten, Säften sowie zum Belegen von Kuchen und Torten und schmecken hervorragend zu Eis.
Bei den Sauerkirschen ist die Ernte einfacher als bei den Süßkirschen. Da sie selten frisch verzehrt werden, sondern vorwiegend in die verarbeitende Industrie wandern, brauchen sie nicht von Hand geerntet zu werden. Es können oft Schüttelmaschinen eingesetzt werden.

Informationen zur Sortenviefalt hier

Kirschenkauf

Von der Hand in den Mund – so schmeckt das Obst am besten. Je intensiver die Kirschen gefärbt sind, desto reifer und aromatischer sind sie. Da Kirschen im Gegensatz zu Kernobst nicht nachreifen, werden sie voll ausgereift geerntet.

Beim Kauf von Kirschen ist besonders auf den Stiel zu achten. Dieser sollte in jedem Fall fest verankert sein. Je grüner und glatter er ist, desto frischer ist die Ware.

Frische, unverletzte Kirschen halten sich im Kühlschrank in einer Plastiktüte etwa zwei Tage. Man sollte sie vorher aber nicht waschen und nicht entstielen. Die Portionen dürfen auch nicht zu groß sein, damit die Kirschen nicht gedrückt werden. Früchte, die Risse oder Quetschungen aufweisen, müssen aussortiert werden, da sonst die Gefahr von Schimmelbildung besteht.
Die Kirschen sollten erst kurz vor der Verwendung gewaschen werden und zwar mit dem Stiel, damit der Saft nicht verloren geht. In stehendem Wasser wird die zarte Schale am ehesten vor Verletzungen geschützt.

Alle Kirschsorten eignen sich sehr gut zum Tiefgefrieren. Sie halten sich bei –18 °C gut acht bis zehn Monate und können nach dem Auftauen weiterverarbeitet werden.


Gesundheit in Murmelform

Der Kaloriengehalt von Kirschen ist mit circa 50 kcal (Sauerkirsche) bzw. 60 kcal (Süßkirsche) je 100 Gramm moderat. Ähnlich vielen anderen Obstarten leisten auch Kirschen einen guten Beitrag zur Versorgung mit Ballaststoffen und regen die Darmtätigkeit an.
Erwähnenswert ist der Gehalt an Vitamin C und Folsäure. Eine Portion Kirschen deckt den Tagesbedarf an den Vitaminen zu etwa 15 bis 20 Prozent. Hinzu kommen reichlich bioaktive Substanzen, wie z.B. Anthozyane (rotviolette Pflanzenfarbstoffe). Diese haben besonders gesundheitsfördernde Eigenschaften, sie dienen der Krebs- und Arteriosklerosevorbeugung. Dabei gilt: Je intensiver rot gefärbt eine Kirsche ist, desto mehr Anthozyane enthält sie.


Sommer im Glas

Kirschen schenken Geschmackserlebnisse von einzigartiger Fülle und Ausgewogenheit. Die Aromen des Sommers holt man sich zum Beispiel mit Roter Grütze auf den Teller.





ute.poetsch@dlr.rlp.de     www.Ernaehrungsberatung.rlp.de drucken