Getreide und Kartoffeln in der Kinderernährung

Getreideerzeugnisse, z. B. Brot, Brötchen, Müsli oder Haferflocken und Beilagen wie Kartoffeln, Nudeln und Reis, spielen in der Kinderernährung eine wichtige Rolle . Sie liefern Kohlenhydrate als Energiequelle für alle Körperfunktionen und hochwertiges Eiweiß als Körperbaustoff.
Getreideprodukte gehören zu jeder Mahlzeit, morgens, mittags, abends und zwischendurch. Etwa die Hälfte davon sollte aus Vollkorn bestehen.


Vollkornerzeugnisse

Doch Brot ist nicht gleich Brot. Vollkornbrot enthält reichlich Mineralstoffe wie Eisen und Magnesium sowie die Vitamine B1 und B6, außerdem Ballaststoffe, Eiweiß und hochwertige Fette, die sich hauptsächlich in den Randschichten des Korns und im Keim befinden. Ballaststoffreiche Lebensmittel sorgen für eine gute Verdauung und einen gleichmäßigeren Blutzuckerspiegel.
Weißes Brot ist für jeden mit bloßem Auge zu erkennen. Bei Vollkornbrot kann der Schein trügen. Es kann aus fein gemahlenem Vollkornmehl hergestellt und hellbraun sein. Mehrkornbrot muss keinesfalls ein Vollkornprodukt sein. Die dunkle Farbe von Körnerbrot entsteht oft durch den Einsatz von Malzextrakten. Deshalb ist es wichtig die Zutatenliste zu lesen, die auch beim Bäcker eingesehen werden kann.

Wenn Sie für Ihr Kind selber Brot und Kuchen backen, nehmen Sie am besten Vollkornmehl oder Mehl der Mehltype 1050. Dieses Mehl enthält etwa 1050 mg Mineralstoffe pro 100 g. Eine weitere Möglichkeit ist das Mischen von Vollkornmehl mit Weißmehl, denn oft werden Gebäcke aus dieser Mischung von Kindern besser angenommen. Vollkornmehl wird ohne Typenzahl verkauft.


Frühstückscerealien

Haferflocken und andere Vollkornflocken in natürlicher Form, gemischt mit Milch, Joghurt und Obst, ergeben ein leckeres und ausgewogenes Frühstück.
Cornflakes, stark gesüßte oder geröstete Müslimischungen sowie Müsliriegel sind wenig empfehlenswert. Zum Teil sind die so genannten Frühstückscerealien oder „Frühstücksgetreide“ hoch verarbeitet, mit diversen Geschmackszutaten und Zusätzen von Vitaminen und Mineralstoffen versehen. Sie enthalten oft Zuckerzusätze und sind so als Süßigkeiten einzustufen.
Sind Kinder nicht von den gezuckerten Flocken wegzubringen, so sollte man diese Cerealien mit Haferflocken mischen bzw. verlängern und die Kinder nach und nach an weniger süße Müslis gewöhnen.

Wenn Kinder ihre Flocken mit einer Getreidequetsche selbst herstellen, erhöht das den Essspaß, außerdem bleiben beim frischen Zubereiten empfindliche Inhaltstoffe des Getreidekorns erhalten.


Kartoffeln, Nudeln, Reis und Co. sind Sattmacher

Kartoffeln sollten nicht nur Beilage, sondern Basis der warmen Mahlzeit sein. Kinder essen gerne Kartoffeln. Daher kann man mehrmals in der Woche Kartoffeln auf den Tisch bringen. Auch Kinder mit Lebensmittelallergien vertragen i. d. R. frische Kartoffeln sehr gut.


Pellkartoffel und Kartoffelpüree

Pellkartoffeln und frisches Kartoffelpüree sind bei Kindern sehr beliebt und sollten daher oft auf dem Speisenplan stehen.
Bei Landwirten in der Region erhält man Kartoffeln meistens in einer großen Sorten- und Geschmacksvielfalt und kann so den Speiseplan zusätzlich bereichern.
Um ein ansprechendes Kartoffelgericht zu erhalten, sollte man die Kocheigenschaften der Kartoffeln bei der Zubereitung berücksichtigen:
  • Mehlig kochende Kartoffeln sind ideal für Püree
  • Vorwiegend festkochende Kartoffeln eigenen sich besonders als Salzkartoffeln
  • Festkochende Kartoffeln sind optimal für Kartoffelsalat, Pell- und Ofenkartoffeln

Gemüsemuffel sollten besonders häufig Kartoffeln essen, weil sie vitamin- und mineralstoffreich sind und somit einen gewissen Ausgleich zur gemüsearmen Ernährung schaffen können.


Pommes, Bratkartoffeln & Co.

Kinder sollten Pommes frites, Bratkartoffeln oder Rösti maximal einmal in der Woche essen. Diese Kartoffelzubereitungen enthalten viel verstecktes Fett. Tiefgefrorene Kartoffelprodukte für den Backofen enthalten weniger Fett als Produkte für die Fritteuse. 100 g Pommes frites aus der Fritteuse enthalten 14,5 g Fett, 100 g Backofen Pommes frites enthalten nur circa 6 g Fett.
Achten Sie beim Braten oder Backen darauf, dass die Produkte hell gebräunt sind. Bei stark gebräunten Kartoffelprodukten muss mit einem hohen Acrylamidgehalt gerechnet werden.


Acrylamid

Acrylamid entsteht beim Backen, Braten oder Frittieren kohlenhydratreicher Lebensmittel wie Kartoffel- oder Getreideprodukte. Es bildet sich aus Zucker- und Proteinbausteinen während des Bräunungsprozesses bei hohen Temperaturen. Acrylamid ist wahrscheinlich krebserregend und erbgutschädigend. Seit 2002 wurden viele Herstellungsprozesse in der Industrie verändert und damit die Acrylamidbelastung in Lebensmitteln reduziert. Zusätzlich sollte jeder Einzelne darauf achten, Backofen-Pommes frites, Blechkartoffeln, Brot, Pizza, Kuchen und Plätzchen nicht zu stark zu bräunen. Lieber zu hell als zu dunkel. Beim Gebrauch von Fritteusen sollte das Fett nicht heißer als 175 °C sein. Die Temperatur beim Backen mit Umluft sollte 180 °C und beim Backen ohne Umluft 200 °C nicht überschreiten.


Getreidebeilagen

Am wertvollsten sind Nudeln, wenn sie aus Vollkornmehl hergestellt sind. Die Gewöhnung an diese etwas kräftiger schmeckenden Nudeln ist allerdings manchmal schwierig. Bewährt hat sich das Mischen von Weißmehl- und Vollkornnudeln. Die verschiedenen Sorten sollten wegen der unterschiedlichen Garzeiten nacheinander ins Kochwasser gegeben werden.
Der Geschmack und die Qualität von Vollkornnudeln sind sehr vom Produzenten abhängig. Es lohnt sich, Vollkornnudeln verschiedener Firmen auszuprobieren. Ein Testessen auch mit unterschiedlichen, passenden Soßen oder Pestos kann der ganzen Familie viel Spaß machen.
Vollkornreis hat eine lange Garzeit und ist nicht immer beliebt bei Kindern. Eine gute Alternative bietet Parboiled Reis. Er enthält zwar weniger Ballaststoffe, liefert aber dafür die Vitamine und Mineralstoffe des vollen Korns.
Getreidegerichte, wie die italienische Polenta aus Mais, der türkische Bulgur und afrikanische Couscous aus Weizen sind als sättigende Beilage bei uns beliebt. Sie sind meistens wie Parboiled Reis vorbehandelt und haben eine kurze Garzeit.
Bei sättigenden Süßspeisen wie Milchreis, Grießbrei oder Pfannkuchen ist der Vollkornversion der Vorzug zu geben.


4 Portionen täglich

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt vier Portionen Getreideprodukte und Kartoffeln täglich. Das sind z. B. für vier bis sechs Jahre alte Kinder 170 g Brot und Getreideflocken und 180 g Kartoffeln, Nudeln oder Reis verteilt über den Tag.

Die Portionsgröße wächst mit steigendem Alter der Kinder, das Maß ist die eigene Hand. Kleine Kinder – kleine Hand; große Kinder – große Hand.

Mit der enormen Vielfalt an Brotsorten in Deutschland und den zahlreichen Variationsmöglichkeiten bei den Sättigungsbeilagen zur warmen Mahlzeit ist die Umsetzung der Empfehlung ein Leichtes. Brot, Getreideerzeugnisse und Kartoffeln bieten Vielfalt und Genuss und sind für Kinder und Jugendliche nie langweilig.


Quellen und weiterführende Informationen





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